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Biografie

Ein Text von
Musikjournalist
Thilo Hornschild

Kleines Gedankenspiel gefällig? Es ist 2020 und Du hast einen sicheren Job bei einem süddeutschen Großkonzern, mit allem, was damit einhergeht: Rentenansprüche, Krankenversicherung und natürlich einem recht stattlichen Gehalt. Die Kulturbranche ächzt, an Konzerte oder Tourneen ist vorerst nicht zu denken. Klingt nach einem perfekten Zeitpunkt, um all dies hinzuwerfen, sich eine Martin-Gitarre umzuhängen und eine Singer-Songwriter Solokarriere zu starten, nicht wahr?

Der Heilbronner Musiker und Poet Philipp Lumpp hat genau das getan. Dabei kommt der Polizistensohn aus einem recht typischen, gut bürgerlichen, süddeutschen Haushalt, weisch? So war doch eigentlich ein straighter Lebensentwurf vorgezeichnet und auch bitte schön auszuführen. Was sollen denn schließlich die Nachbarn denken?

Haben wir es hier also mit einem klassischen Rebellionsnarrativ zu tun? Nein, so plakativ kann man das Bild um Philipp Lumpp nicht zeichnen, denn ironischerweise ist es eben dieser stabile Background, der nun dafür sorgt, dass er als freier Künstler seine Schritte mit Geduld, System und einem strategisch-logischem Mindset plant und ausführt. Zunächst gründete er ein eigenes Label und erdachte sich einen eigenen Brand: Kirschbaum-Musik. Und dann arbeitete Philipp eins nach dem anderen herunter: er kaufte sich eine gute Gitarre und spielte rund um seiner Heimat Cleversulzbach zunächst Covers, dann irgendwann flogen ihm eigene Songs in den spontansten Situationen zu. Er nahm sich aber auch eine professionelle Gesangslehrerin. Sie war es auch, die ihm das Versprechen abnahm nie wieder einen englischen Song zu schreiben, und das lag sicher nicht an fehlenden Sprachkenntnissen. Sie hatte in ihm lediglich etwas gesehen, was ihm vielleicht noch nicht so klar war: einen Songwriter. So wurde aus „Fly withme“ zum Beispiel „Halt Dich fest“.

Aber er ist eben nicht nur Songwriter, sondern auch sein eigener Manager und Labelchef. Es folgten also Videodrehs, Releasepläne erstellen, Netzwerken, eben einmal der komplette Rundumschlag. Natürlich trat er auch so oft wie möglich live auf. In den Zeiten, in denen es noch möglich war, konnte man Philipp Lumpp auf vielen Open Stages und Song-Slams im Stuttgarter Raum erleben. Seine Auftritte als ‚Shows‘ zu bezeichnen ist nicht ganz zulässig, zumindest nicht bei diesen Liedern seines in Kürze erscheinenden Debütalbums. Denn sein jüngster Songwriting-Lauf begann für den gelernten Wirtschaftsingenieur als er – während einer beruflichen Reise – diesen einen Anruf bekam, der ihm erst einmal den Boden unter den Füßen wegzog: es war aus und vorbei. Aber der unerschütterliche Optimist klebte sich ein Pflaster auf die Schusswunde und verarbeitete seine vielen Fragen und den Schmerz in Liedern. Und eben weil zum Beispiel seine jüngst erschienene dritte Single, die Trennungsballade „Warte“, vor diesem authentischen Backdrop entstand, wird der Begriff ‚Show‘ seinen Auftritten nicht gerecht. Parallel zu seinen Songs hat dieser Macher thematisch begleitende Prosa & Lyrik geschrieben, die er oft dazu einsetzt, die richtige Atmosphäre für seine Lieder zu kreieren. Folgerichtig wurde er oft mit hochemotionalen Feedbacks wildfremder Menschen belohnt. Reaktionen, mit denen er in dieser Form sicher nicht gerechnet hätte.

Und nun? Inzwischen schreibt er längst am zweiten Album. Sein Debüt „Aus gegebenem Anlass“ ist gemixt und gemastert und Philipp Lumpp ist bereit für das nächste Kapitel, denn zurückschauen liegt ihm nicht so sehr. Doch zunächst rollt sich das Narrativ seines ersten Longplayers aus, das Resultat von zwei Jahren intensiver Arbeit. „Warte“, eines der zentralen Stücke dieses Albums, feiert am 26.02.2021 auf seinemYoutube-KanalVideopremiere. Die ausproduzierte Version ist mit Cello und einer Triobesetzung angereichert, ohne jedoch den intimen Nukleus des Songs zu verwässern. In Kooperation mit dem kongenialen Schweizer Regisseur Eliad Lienhardt hat er ein atemberaubendes One-Shot-Video produziert.

Die ausproduzierte Version ist mit Cello und einer Triobesetzung angereichert, ohne jedoch den intimen Nukleus des Songs zu verwässern. In Kooperation mit dem kongenialen Schweizer Regisseur Eliad Lienhardt hat er ein atemberaubendes One-Shot-Video produziert. Parallel dazu sendet er auf der Plattform Twitch.tv regelmäßig Livekonzerte von seiner Wohnzimmercouch aus. Dass ihm das Spiel mit der Kamera leichtfällt, beweisen nicht nur seine Videos. Längst hat das Fernsehen auch Wind von diesem smarten Newcomer bekommen: L-TV Baden-Württemberg und die SWR Landesschau waren bereits bei ihm zu Besuch, um seine Geschichte zu erzählen. In einem anderen Song fragt er rhetorisch: „Willst du mit mir gehen?“ Ja, Philipp Lumpp, wollen wir. Wie und wann er sein Album auf die Straße bringen kann, das kann niemand orakeln, aber wenn es soweit ist, ist Philipp bereit. „Aus gegebenem Anlass“ erscheint auf allen digitalen Portalen am 26.03.2021 auf Kirschbaum-Musik.

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