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Warte Singlefact

Ein Text von
Musikjournalist
Thilo Hornschild

Es geschah auf einer Dienstreise in Spanien, damals, als das Reisen noch möglich war, als Philipp Lumpp einen folgenschweren Anruf erhielt, den niemand gerne bekommt: Es ist aus und vorbei. Wie nach einem Magenschlag musste er diese Information erst einmal verdauen. Aber der junge Heilbronner Liedermacher ist ein grundsätzlich konstruktiver und positiv orientierter Mensch. Nach einigen Tagen hatte er seine Gedanken geordnet. Nicht nur das, er hat sie zu einem Lied geschmiedet. „Warte“ ist seine dritte Single auf dem Weg zum vollständigen Debütalbum „Aus gegebenem Anlass“, welche er auf seinem eigenen Label „Kirschbaum-Musik“ veröffentlicht. Im Stuttgarter Raum machte er schon mächtig von sich reden, trat auf Song-Slams und in Pubs auf, und erarbeitete sich Schritt für Schritt eine – seine – Fanbase. Als dann im vergangenen Jahr Liveauftritte pandemisch bedingt unmöglich wurden, steckte Philipp Lumpp nicht wie viele andere den Kopf in den Sand, sondern ins Studio und fing eifrig an, seine Songs zu produzieren. Die Signale und Reaktionen zu seiner Musik gaben ihm den Mut, eine berufliche Auszeit zu nehmen und sich voll und ganz auf seine Musik zu konzentrieren.

„Warte“ war der Erste dieser Songs und ist nach eigener Aussage nicht nur das emotionale Kernstück des kommenden Albums, sondern auch das erste Lied, das er jemals auf Deutsch geschrieben hat. Nicht ganz unbeteiligt daran ist seine Gesangslehrerin Regine Böhm, die ihm nach einer ersten Hörprobe das Versprechen abnahm, nie wieder ein englischsprachiges Lied zu schreiben. Er hielt Wort. „Warte“ ist ein klassischer Trennungssong, einmal mehr von einem filigranen Gitarrenpicking getragen, bevor sich der Song mit Bass, Schlagzeug und Cello entfaltet. Ist der Song autobiografisch? Jein. Also ja, natürlich, aber gleichzeitig haben wir es hier natürlich mit Kunst zu tun. Beschreibt sich Philipp selbst als jemand, der sich in dieser Phase seines Lebens ‚zwei Metaebenen über Geld‘ bewegt, ist dieser Song mindestens eine Metaebene über seiner eigenen Biografie und seinen Verflossenen. So bekommt er bei seinen Auftritten auch immer besonders für „Warte“ hochemotionale Feedbacks von wildfremden Menschen jeglichen Alters, die sich selbst in „Warte“ erkennen und Trost finden. Bei seinen Konzerten leitet Philipp den Song des Öfteren mit einem langen Monolog ein, der Heilbronner begreift sich selbst als Liedermacher und Poet. Seine Liebe zur Sprache drückt er auch in begleitenden Texten zu seinen Songs aus.Die Geschichte zu „Warte“ ist die, eines privaten Supergaus, der Song entsprechend zutiefst therapeutisch. Es gab so viel, was er ihr noch sagen wollte, aber sie hatte sich entschlossen zu gehen. Diese Worte können sie nicht mehr erreichen, also flossen sie stattdessen in dieses Lied.

Wie bereits bei „Capri Sonne Kirsch“, entstand das Video zu „Warte“ unter der gekonnten Regie des Schweizer Regisseurs Eliad Lienhardt. Es entstand eine Kollaboration zweier Künstler, die jeweils voll und ganz für ihre Sache brennen und sich gegenseitig mit einer Mischung aus Empathie, Neugier und Kreativität ergänzen. Das ist wohl das, was im Allgemeinen als Chemie bezeichnet wird. Das melancholische Video, welches auch schauspielerisch sorgsam choreografiert ist, wurde als sogenannter „One-Shot“ abgedreht, also ohne einen einzigen Schnitt. Philipp vergleicht den Dreh gern mit der Verzahnung eines Orchesters, in dem jeder Spieler seine feste Rolle hat und nur das perfekte Zusammenspiel aller Akteure ein funktionierendes und wohlklingendes Ganzes ergeben. Die offizielle Videopremiere findet auf YouTube am 26.02.2021 statt. Das Lied selbst findet man auf allen gängigen digitalen Streamingdiensten. Und da die Sache mit dem Reisen auch für einen Philipp Lumpp noch nicht so bald möglich sein wird, schickt er einfach sein bisher privatestes Lied in die Welt hinaus.

Dies ist ein Jahr der koexistierenden, aber völlig gegensätzlichen Polaritäten. Ob in der Politik, in der Gesellschaft, im Umgang mit der Natur …

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